Kirchen

Die ostfriesischen Kirchen sind eine Besonderheit und man sollte es nicht versäumen, die eine oder andere näher in Augenschein zu nehmen. Nicht nur architektonisch, sondern auch auf Grund ihrer (oft erhöhten) Lage innerhalb der Ortschaften ist jede Kirche ein einmaliges Kulturzeugnis unserer religiösen Geschichte. Auch Südbrookmerland hat eine Reihe von sehenswürdigen Kirchen zu bieten.

Kirche Bedekaspel

Der wuchtige Glockenturm mit Halseisen stammt aus dem 13. Jahrhundert. Bei einer großen Sturmflut zu Weihnachten 1717 wurden die Kirche und auch das Dorf Bedekaspel schwer beschädigt und der damalige Pastor kam nur knapp mit dem Leben davon. Im Jahre 1726 wurde die Bedekaspeler Kirche teilweise abgetragen, jedoch zwei Jahre später wieder neu aufgebaut. Immer wieder richteten Überflutungen Schäden an der Kirche an, so dass die Gemeinde für die Wiederherstellung oft hohe Kosten aufbringen musste. Das Gebäude der Kirche ist ein rechteckiger Raum und hat im Osten zwei, im Norden drei und im Süden vier Fenster.

Kirche Engerhafe

Im Jahre 1250 wurde die Engerhafener Kirche zu einer der sechs Sendkirchen im Brookmerland. Wie die Kirche vor dieser Ernennung baulich aussah, ist nicht bekannt, doch war sie zunächst ein Apsisaal mit fünf quadratischen überwölbten Jochen. Der zunächst gebaute östliche Teil im romanischen Stil wurde vermutlich um 1260 gebaut. Der westliche Teil wurde etwa 1275 und 1285 im gotischen Stil angefügt. Im Jahre 1806 wurde die Kirche an der Ostseite um ca. drei Meter und im Westen um ca. 12 Meter verkürzt. Dabei verschwanden die Apsis und das westliche Joch. In dem östlichen Teil befinden sich zu beiden Seiten zwei unten angebrachte Rundfenster. An dieser Stelle war früher auch das Halseisen eingemauert, doch heute ist es nicht mehr vorhanden. Am östlichen Ende der Südseite befinden sich Rundbogennischen, die schmale Spitzbogenfenster enthalten. 1775 wurde eine morsche Holzdecke durch eine neue ersetzt. Der weitere mit der Zeit eintretende Verfall machte noch weitere bauliche Veränderungen nötig, wie z. B. die Entfernung eines weiteren Jochs. Doch bis heute ist die Kirche ein imposanter Bau geblieben. In den Jahren 1908 bis 1910 wurde die Kirche in Engerhafe gründlich renoviert. In dieser Zeit erhielt sie aus statischen Gründen auch eine Sakristei. Der Glockenturm trug in früherer Zeit zwei Glocken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die jedoch heute nicht mehr existieren. Die heutigen Glocken stammen aus den Jahren 1875 bzw. 1796.

Kirche Forlitz-Blaukirchen

Ehemals stand je eine Kirche sowohl in Forlitz als auch in Blaukirchen, doch 1844 beschlossen die beiden Gemeinden, sich zu einem Kirchspiel zu vereinigen. Daraufhin wurde 1847 mit dem Bau der gemeinsamen Kirche begonnen, die schon ein Jahr später geweiht werden konnte. Die Kirche ist ein einfacher Bau, innen in Holzfarben und mit einem naturfarbenem Gestühl. Zur Ausstattung gehört die in blauen Tönen gehaltene Kanzel von 1744, die aus der ehemaligen Kirche zu Blaukirchen stammt. Auch die Taufe stammt aus der Blaukirchener Kirche. Sie wurde von einer dicken Tünche befreit und dient ihrem Zweck jetzt wieder in ihren ursprünglichen Farben gelb und rot. Sie hat einen einfachen Taufdeckel aus dem 17. Jahrhundert mit einer Taube als Bekrönung. Der in neugotischem Stil und in blauen Farbtönen gestaltete Altar stammt aus dem Jahre 1848, also dem Baujahr der Kirche und zeigt ein Christusbild mit Abendmahlsworten zu beiden Seiten. Der Altartisch ist neu und aus Holz gearbeitet. Die Ausstattung wird vervollständigt durch einen kleinen Kronleuchter aus dem 17. Jahrhundert und einem aus dem 19. Jahrhundert.

Kirche Moordorf

Die Kirche in Moordorf ist noch relativ jung. Das liegt an der späten Besiedlung Moordorfs, die 1767 begann. Noch über hundert Jahre dauerte es, bis Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts der Bau einer Kirche beschlossen wurde. Am 19. November 1893 wurde die Kirche geweiht. Nach und nach wurde sie ergänzt: so bekam sie 1908 einen Turm und zwei neue Glocken, von denen sich eine noch heute im Turm befindet. Die beiden anderen Glocken, die man heute im Turm sieht, stammen aus dem Jahre 1976. Die Orgel, die ursprünglich aus dem Jahre 1895 stammt, wurde 1976 von Grund auf renoviert. Ab 1978 leitete man die Renovierung der gesamten Kirche ein. Zuerst wurden alle Dächer neu mit Schiefer eingedeckt. Dann wurden die Fenster neu verglast. Nur die drei bunten Fenster im Chorraum blieben erhalten. Ebenfalls bekam die Kirche an der Nordseite des Chores einen neuen Sakristeiraum. Satt des vorherigen Ziegelfußbodens wurde nun ein Holzfußboden verlegt. Der Innenraum erhielt drei neue Leuchter, während die alten Kronleuchter auf der Orgelempore und im Kirchenvorraum angebracht wurden.

Kirche Münkeboe-Moorhusen

Die Kirche in Münkeboe Moorhusen ist noch jünger als jene in Moordorf. Sie wurde erst im Jahre 1900 erbaut, denn bis dahin gehörten die beiden Moorkolonien Münkeboe und Moorhusen zur Kirchengemeinde Engerhafe. Die Kirche und ihre Ausstattung haben neugotischen Stil. Sie bekam einen Turm mit einer hohen schlanken Spitze. Doch 1927 schlug der Blitz in die Turmspitze ein und beschädigte sie schwer. Daraufhin wurde sie abgebrochen und durch ein pfannengedecktes Walmdach ersetzt. Der Turm trägt einen Schwan als Symbol. Der Chor hat drei dreiteilige bunte Fenster. Das mittlere Fenster zeigt den guten Hirten. Im Jahre 1976 begann man mit einer umfangreichen Restaurierung. Die Fenster wurden ersetzt, das äußere Mauerwerk neu gefugt, die Decke isoliert und der Turmtrakt erhielt eine neue Treppe. Außerdem bemühte man sich, die ursprüngliche Ausmalung des Kircheninneren wieder herzustellen.

Kirche Victorbur

Die Victorburer Kirche steht im Westen des Dorfes an einem uralten Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Brookmerland, dem Emsigerland und Östringen. Sie stand unter besonderem Landesschutz und wer innerhalb ihrer Wic den Frieden brach, musste dreifache Buße zahlen. Der Bezirk lag vormals etwa einem halben Kilometer von der Bauernschaft entfernt und war von Mauer und Graben umzogen. Ihre Lage mag in Verbindung mit der fortschreitenden Besiedlung Voraussetzung gewesen sein. Der stattliche Backsteinbau von 57 Metern Länge und 11 Metern Breite mit zum Teil bis zu 2 Meter dicken Mauern lässt deutlich mehrere Bauabschnitte erkennen. Bevor die Kirche Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, hatte sie an dieser Stelle schon mindestens eine Vorgängerin. Die Ausgrabungen, die 1965 im Rahmen einer Renovierung vorgenommen wurden, deuten sogar auf zwei Vorgängerinnen hin, Holzkirchen, deren Estriche übereinander gelagert sind. Der älteste Teil der Kirche ist der Mittelbau, während die ungegliederten Seitenwände und die gotischen Langfenster auf eine jüngere Zweit hindeuten. Der östliche Teil des Langhauses entspricht dem Typ des einräumigen, langgestreckten, romanischen Kirchenraumes mit Hochfenster und Flachdecke, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hier üblich war. Im Innern sind die Seitenwände horizontal unterteilt, was die Längsrichtung des ursprünglich 30 m langen Innenraums unterstreicht. Das Ostende des Innenraumes wird betont durch die weit gespannten Rundbogen (Triumphbogen) der früheren, im 15. Jahrhundert abgebrochenen Apsis. An der Nordseite des Triumphbogens ist ein Sakramentsschrein errichtet, der wahrscheinlich aus vorreformatorischer Zeit stammt.    

Kirche Wiegboldsbur

Die Kirche in Wiegboldsbur wurde im Jahr 1250 errichtet und zählt zu den ältesten christlichen Gotteshäusern im Brookmerland. Eine Kirche, allerdings aus Holz, stand an dieser Stelle aber schon zwei Jahrhunderte vor dem Bau der Backsteinkirche. Die Überreste dieser alten Holzkirche entdeckten Bauarbeiter im Jahre 1973, als die Kirche renoviert wurde. Wissenschaftler nehmen an, dass die alte Holzkirche möglicherweise abbrannte und daraufhin durch das heute noch stehende Steingebäude ersetzt wurde. Früher war die Wiegboldsburer Kirche ein Zentrum im christlichen Leben Ostfrieslands. Im Wechsel mit der Kirche in Loppersum wurde in ihr das Sendgericht abgehalten, das bischöfliche Strafgericht. Wiegboldsbur gehörte damals zur Diözese Münster. Bis heute existiert an der Kirchenmauer noch das Halseisen des Prangers. Wer sich in der Kirche aufhielt, hatte zwar nichts zu befürchten, denn die Kirche war heilig und vor dem Zugriff der weltlichen Obrigkeit geschützt. Auf dem Kirchhof jedoch wurden Markt und Gericht abgehalten. Er war das Zentrum des örtlichen Lebens. Deshalb fanden es die Wiegboldsburer Bürger auch völlig in Ordnung, dass das Halseisen an der Außenmauer der Kirche angebracht wurde. Im Chor der Kirche steht ein metallenes gotisches Taufgefäß von runder, sich nach oben erweiternder Form, das auf vier Rittergestalten ruht. Zwischen der oberen und der unteren Randschrift erscheinen zwölf Bilder, u. a. acht Apostelbilder, die Taufe Jesu und seine Kreuzigung. Der Glockenturm trug früher drei Glocken, während heute nur eine Glocke aus dem 16. oder 17. Jahrhundert in ihm hängt.