Geschichte

Die Geschichte des Brookmerlandes

Der Name des Landes bezeichnet dessen ursprüngliche Beschaffenheit als Bruchlandschaft.

Vor dem Westrand des ostfriesischen Geestrückens, von der Ley (Norder Tief) bis zur Flumm (Fehntjer Tief) zog sich über weite Strecken eine Niederungszone hin, die von einer Reihe von flachen Binnenseen, vom Großen Meer bis zum Sandwater, durchsetzt war. Solche Gebiete wurden auch mit Wolde bezeichnet, was darauf schließen läßt, daß sie ursprünglich mit Bruchwald bestanden waren. Der Wald, wie er auf den trockenen Sandböden der Geest anzutreffen war, wurde dagegen mit Holt bezeichnet.
Dieser im frühen Mittelalter weitgehend unbesiedelte Raum stellte das natürliche Grenzgebiet des Feder- und Emsgau gegenüber den Gauen Norditi und Östringen sowie des Bistums Münster gegenüber dem Erzbistum Bremen dar. Im hohen Mittelalter, unter dem Druck der wachsenden Bevölkerung, wurden überall solche siedlungsarmen oder -leeren Räume durch Landesausbau, die sog. innere Kolonisation, erschlossen. So wurde auch diese Bruchlandschaft von Menschen aus der Krummhörner Marsch sowie der Norder und Auricher Geest urbar gemacht. Im 11./12. Jahrhundert entstanden hier auf dem Rand und den Ausläufern der Geest neue Siedlungen mit ersten Kirchbauten. Das Ergebnis dieses Vorgangs waren die Reihendörfer mit ihren Upstrecken.

Der Höhepunkt der Entwicklung wurde im 13. Jahrhundert erreicht. Die großen Kirchenneubauten dieser Zeit legen Zeugnis von dem Reichtum dieses Neulandes ab. Am stärksten kommt die neue Macht jedoch in einer politischen Neubildung zum Ausdruck. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verselbständigte sich das Brookmerland als autonome Landesgemeinde. Es gliederte sich zunächst in drei Mittelbezirke mit jeweils zwei Hauptkirchen: Marienhafe und Engerhafe, Wiegboldsbur und Burhafe (heute Einzelhöfe in der Victorburer-Marsch), Bedekaspel und Südwolde (Blaukirchen). Mitte des 13. Jahrhunderts trennte der Bischof von Münster dieses Brookmerland von den Dekanaten Uttum und Hinte und erhob es auch kirchlich zu einem eigenen Sprengel. Außerdem errichtete der Bischof zu Fehn-husen im Kirchspiel Engehafe eine Burg, die später sog. Oldeborg. Sie hat weniger der Gemeindefreiheit Gewalt angetan, als vielmehr der Landeseinheit Schutz geboten. Das übrige Kolonisationsgebiet mit Barstede, Bangstede, Ochtelbur, Riepe, Simonswolde und dem Zisterzienserkloster Ihlow verblieb dagegen beim Auricherland. Eine wesentliche Veränderung erfuhr dieser Zustand dann jedoch in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als sich Brookmerund Auricherland zusammenschlossen. Fortan gliederte sich dieses erweiterte Brookmerland in vier Mittelbezirke mit den Hauptkirchen Marienhafe, Engerhafe, Victorbur und Aurich als Mittelpunkten. Das Schwergewicht lag deutlich auf der Verkehrsachse Aurich - Norden; demgegenüber verlor der Süden an Bedeutung. Die politische und richterliche Gewalt lag in Händen bäuerlicher Jahresbeamter, den Red-jeven, d. h. Konsuln Ratgebern. Das Gesetz ihres Handelns stellte der Brookmerbrief dar, der gegen Ende des 13. Jahrhunderts abgefaßt worden war; ihre Amtsführung wurde kontrolliert.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts war wie für die anderen Frieslande ebenso für das Brookmerland (und Auricherland) die Zeit der freien Landgemeinde vorbei; die Selbstverwaltung funktionierte nicht mehr. Die Landeseinheit blieb jedoch - im Unterschied zum Emsigerland etwa - erhalten, da das Verbot des Brookmerbriefes, sich feste Steinhäuser und Burgen zu bauen, solche Ansatzpunkte lokaler Herrschaften verhindert hat. So wurde hier ein Angehöriger der aus Norden stammenden Kenisna, die ebenso wie etwa die Cirksena aus Berum im Brookmerland besitzend waren, erblicher Landeshäuptling, und nahm den Namen 'tom Brook' an, nach der Burg Brooke, die er sich neben der nunmehr alten bischöflichen Burg neu erbauen ließ. Eine weitere Burg erbauten sich die tom Brook dann in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Aurich.

Die tom Brook haben zunächst mit Erfolg versucht, eine Landesherrschaft über die Frieslande diesseits und jenseits der Ems auszubilden, sie scheiterten jedoch zuletzt am Widerstand ihrer Gegner, die dem letzten männlichen Sproß der tom Brook unter Führung von Focko Ukena auf den 'Wilden Äckern' zwischen Fehnhusen und Upgant 1427 eine vernichtende Niederlage beibrachten. Aber auch die Ukena, die von Aurich aus das Brookmerland beherrschten, konnten sich nicht gegen die wiederauflebende Gemeindefreiheit behaupten. Die Cirksena gewannen 1433 an der Spitze dieser neuen Freiheitsbewegung die Oberhand. Sie mußten jedoch nun in ihrer Herrschaftsführung Rücksicht auf Gemeindefreiheit und Landrecht walten lassen; denn die Landesgemeinden hatten sich neu konstituiert. So gab es wieder ein Brookmerland, ein Auricherland und im Südwesten des Auricherlandes, dem Kolonisationsgebiet, sogar ein eigenes Süderland (Bangstede, Ochtelbur, Riepe und Simonswolde), das jedoch ebenso wie das Kloster Ihlow die Verbindung mit dem Mutterland nicht ganz aufgegeben hat. Dagegen blieb der Südteil des alten Brookmerlandes in der Bedeutungslosigkeit stecken. Dieser Verlust, der schon Ende des 13. Jahrhunderts deutlich geworden war, ist auf eine zunehmende Verschlechterung und Einschränkung der landwirtschaftlichen Nutzflächen in diesem Raum zurückzuführen, die die Anfangserfolge der Kolonisten wieder rückgängig machte. Die Ursachen dafür sind darin zu sehen, daß im späten Mittelalter die Leybucht tief ins Land eindrang, der Grundwasserspiegel anstieg und die Entwässerungsprobleme nicht bewältigt werden konnten: Die Niederungsflächen gerieten zunehmend unter Wasser. Das Große Meer hat sich erst im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit hier so breit gemacht. In der Folge mußten Siedlungen aufgegeben werden (Burhafe, Süd-wolde). Die alten Verbindungswege mit dem Emsigerland konnten kaum noch oder gar nicht mehr benutzt werden.

Die neuen Gemeinden erlangten freilich nicht wieder jene Autonomie, die Ihnen im hohen Mittelalter eigen gewesen war. Die Cirksena und die ihnen befreundeten Häuptlinge behielten die Führung in der Hand und wußten sie schon bald zu neuer Herrschaft auszubauen. So waren die Cirksena um 1440 von Richtern und Vormündern zu Häuptlingen des Brookmerlandes wie des Auricherlandes geworden und hatten hier nach dem Zwischenspiel der Ukena schließlich die Erbfolge der tom Brook angetreten. Nachdem es ihnen 1464 gelungen war, ihren ostfriesischen Herrschaftsbereich durch den Kaiser zur Reichsgrafenschaft erheben zu lassen, machten sie die von ihren Burgen beherrschten Bereiche zu Ämtern: das Brookmerland gehörte wie das Auricherland fortan zum Amt Aurich und zerfiel in die Nordbrookmer Vogtei mit Osteel, Marienhafe und Siegelsum und die Südbrookmer Vogtei mit den Kirchspielen Engerhafe; Victorbur, Wiegboldsbur, Bedekaspel und Forlitz-Blaukirchen.

Als nach dem Aussterben der Cirksena 1744 Ostfriesland an Preußen fiel, änderte sich an dieser Verwaltungseinteilung nichts. Dagegen haben noch einmal Siedler neues Land erschlossen: 1767 begann in der Südbrookmer Vogtei die Besiedlung von Moordorf. Dagegen kam die fortschreitende Eindeichung der Leybucht weniger dem Amt Aurich und damit dem Brookmerland, als vielmehr den Ämtern Norden und Greetsiel zugute. Während der Napoleonischen Zeit (1806 - 1813) gehörte das Brookmerland zum Arrondissement Aurich im zuerst holländischen, zuletzt französischen Department Ostems; und zwar der nördliche Teil als Mairie Marienhafe (Marienhafe, Upgant, Schott, Leezdorf und Tjüche) zum Canton Norden und der südliche Teil unterteilt in die Mairien Victorbur (Victorbur, Uthwerdum und Marsch, Theene, Neu-Ekels und Moordorf), Wiegboldsbur (Wiegboldsbur, Bedekaspel, Forlitz, Blaukirchen und Moorhusen zusammen mit Westerende und Fahne) und Engerhafe (Engerhafe, Marsch, Fehnhusen, Oldeborg und Upende), zum Canton Aurich.

In dem Zeitabschnitt nach den Befreiungskriegen war Ostfriesland Provinz des Königreichs Hannover (1815 - 1866). Sie bekam 1817 die hannoversche Ämtereinteilung. Das südliche Brookmerland von Wiegboldsbur bis Moorhusen bildete nun zusammen mit Barstede, Westerende, Bangstede, Ochtelbur und Riepe die Untervogtei Riepe der Amtsvogtei Aurich. Von der ehemaligen Nordbrookmer Vogtei wurde das Kirchspiel Osteel damals dem Amt Norden zugeschlagen; es bildete hier eine Untervogtei der Amtsvogtei Norden. Das übrige Brookmerland, der Mittelbereich also, bildete die Vogtei Victorbur, bestehend aus der Untervogtei Victorbur (mit den Kirchspielen Victorbur und Engerhafe) und der Untervogtei Marienhafe (mit den Kirchspielen Marienhafe und Siegelsum). Letztere wurde jedoch durch Einzelmaßnahme am 1. Januar 1828 an das Amt Norden verlegt. Die damit modifizierte Grenze zwischen den Ämtern Aurich und Norden ist endgültig geblieben und bildete bis zum 31. 7. 1977 die Kreisgrenze des Landkreises Aurich.

Die kommunale Entwicklung von 1815 bis 1972

In der Zeit von 1815 bis 1866, in der Ostfriesland eine Provinz des Königreichs Hannover war, sind die politischen Gemeinden entstanden, die am 1. Juli 1972 zur Gemeinde Südbrookmerland zusammengefaßt worden sind. Auch die Grundlagen der heutigen Gemeindeverfassungen stammen aus dieser Zeit. Obwohl kurz zuvor unter der französischen Herrschaft die alten Kirchspiele als 'Mairien' kommunale Gebietskörperschaften gewesen waren, hatte die hannoversche Regierung nicht diese, sondern deren Untergliederungen, die ehemaligen Keddschaften zu Trägern der Kommunalverwaltung bestimmt. Sie hatte einfach die Verhältnisse aus der Umgebung der Residenzstadt auf Ostfriesland übertragen. Dort bestanden überwiegend geschlossene Siedlungen, während hier, vor allem auf der Geest, Streusiedlungen vorherrschten. Leiter der Gemeinde war nun der Bauermeister, welcher vom Amt bestellt wurde. Erst später, nach Inkrafttreten der Landgemeindeordnung, wurde dieser von den Gemeinden gewählt.

Seit dem Ende des siebenjährigen Krieges sind in Ostfriesland eine Anzahl neuartiger Gemeinwesen entstanden: Die Moorkolonien. Nachdem durch das Urbarmachungsedikt Friedrich des Großen vom 22. Juli 1765 eine gesetzliche Grundlage für die Besiedlung von Ödland gegeben war, hofften viele landlose Einwohner, durch Kultivierung eines Stück Moorlandes sich eine Existenzgrundlage erarbeiten zu können. Weil aber die Kolonisation mit unzulänglichen Mitteln und vielfach ohne Sachkenntnisse betrieben wurde, auch von der Regierung keine Hilfe kam, blieb der erhoffte Erfolg aus. Die Kolonisten gerieten in bittere Not. Erst gut 100 Jahre später ist deren Lage besser geworden. Im Raum Südbrookmerland wurden die ersten Siedler im Jahre 1767 in Moordorf und 1770 in Moorhusen angesetzt, in der gleichen Zeit auch in Münkeboe. Da diesen ersten Kolonisten sehr rasch weitere folgten, entstanden selbständige Orte, welche dann ihre örtliche Obrigkeit, die Kedden, erhielten. Die ersten beiden Kedden in Moordorf wurden im Jahre 1776 bestellt. Im Laufe der Zeit sind aus diesen armen Gemeinden ansehnliche Ortschaften geworden.

Die frühere Moorkolonie Moordorf hat bis zum Jahre 1972 in kommunalen Angelegenheiten alle früheren Gemeinden überflügelt und ist als stärkster Ortsteil in die heutige Gemeinde Südbrookmerland aufgegangen.

Eine Gemeindereform in kleinem Rahmen ist in unserem Raum bereits 1938 vorgenommen worden. Damals wurden die früheren Gemeinden Engerhafe, Fehnhusen, Oldeborg und Upende zu der größeren Gemeinde Oldeborg vereinigt.

Nach einer Zeit von mehr als 100 Jahren war das alte Kirchspiel Engerhafe in neuer Form wieder erstanden.

Die Gemeinde Südbrookmerland entstand am 1.7.1972 durch Zusammenschluß der früheren Gemeinden Bedekaspel, Forlitz-Blaukirchen, Moordorf, Moorhusen, Münkeboe, Oldeborg, Theene, Uthwerdum, Victorbur und Wiegboldsbur. Sie liegt etwa im Mittelpunkt des neuen Landkreises Aurich.

Die größte Ausdehnung des Gemeindegebietes in Nordsüdrichtung beträgt etwa 15 km und in Ostwestrichtung etwa 10 km.

Neben der Landwirtschaft und kleineren Gewerbebetrieben, die das allgemeine Wirtschaftsleben in der Gemeinde bestimmen, hat sich der Fremdenverkehr vor allem in den Ortsteilen Bedekaspel und Forlitz-Blaukirchen in den letzten Jahren zu einem wirtschaftlichen Faktor entwickelt.

In den Ortsteilen Bedekaspel und Forlitz-Blaukirchen (Raum Großes Meer) stehen ca. 600 Wochenend- und Ferienhäuser. Ein Segelbootshafen , zwei Campingplätze und ein umfangreiches Radwanderwegenetz sind entstanden.