Vorhaben der Firma TenneT TSO GmbH

 

Errichtung einer 380 kV-Höchstspannungsleitung vom UW Emden/Ost zum Netzverknüpfungspunkt, Halbemond

Die Firma TenneT TSO GmbH plant den Bau einer 380 kV-Höchstspannungsleitung vom UW Emden/Ost zum Netzverknüpfungspunkt Halbemond bei Norden. Dazu ist ein Raumordnungsverfahren erforderlich. Das Vorhaben und der geplante Untersuchungsumfang für dieses Verfahren wurden auf der Antragskonferenz am 17.09.2015 und in der dazu vorbereiteten Unterlage vorgestellt. Im Vorfeld wurde bereits 2014 eine Raumwiderstandsanalyse zur Korridorfindung durchgeführt. Ausgehend von dieser Analyse sollen im Raumordnungsverfahren drei Korridorvarianten zwischen dem UW Emden/Ost und dem Netzverknüpfungspunkt Halbemond untersucht werden. Im weiteren Verfahren sollen innerhalb der Untersuchungskorridore mögliche Trassenkorridore bestimmt werden, in denen eine Freileitungstrasse realisiert werden kann. Von einer dieser Varianten, dem Untersuchungskorridor 5, ist auch das Gebiet der Gemeinde Südbrookmerland betroffen.

Wie schon in der Raumwiderstandsanalyse festgestellt, bestehen in diesem Untersuchungskorridor 5 Raumwiderstände von besonderer Bedeutung, da vorhandene Siedlungsbänder gequert werden müssen. Hierbei handelt es sich um historisch gewachsene Ortslagen, die auch planungsrechtlich in ihren Beständen im Flächennutzungsplan dargestellt bzw. zum Teil auch über Satzungen und Bebauungspläne planungsrechtlich abgesichert sind. Eine Einhaltung des gemäß LROP notwendigen Abstands von mindestens 400 m zu Wohngebäuden ist in diesen Bereichen nicht möglich und die Notwendigkeit einer Überspannung von Wohngebäuden  unumgänglich.

Für die Gemeinde Südbrookmerland wird zurzeit der Flächennutzungsplan großrahmig geändert (27. Änderung). Im Entwurf des Flächennutzungsplanes wird für die Flächen zwischen Uthwerdum und Victorbur eine gewerbliche Baufläche vorgesehen. Zudem ist die Frage nach einem neuen zentralen Klinikstandort noch ungeklärt, der ebenfalls diesen Bereich betreffen würde. Es bleibt somit festzuhalten, dass es konkrete Bauflächenansprüche für diesen Bereich gibt, die mit der geplanten Trassenführung nicht vereinbar wären.    

Auszug aus der 27. Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Südbrookmerland
 
Darüber hinaus sehen wir auch einen erheblichen Konflikt mit dem Landschaftsbild und der Erholungsfunktion des Gebietes. Das Große Meer und seine Umgebung sind nicht nur Teil des europäischen ökologischen Netzes Natura 2000, sondern auch ein stark frequentiertes Erholungsgebiet. Die Gemeinde Südbrookmerland verfolgt hier seit Jahren das Ziel, die Schutz- und Erhaltungsinteressen mit einer naturverträglichen touristischen Nutzung zu verbinden, die Akzeptanz für die Schutzgebiete und das naturverträgliche Handeln der Besucher zu fördern. In Abstimmung mit den Vertretern der relevanten Behörden und Verbände (Runder Tisch) wurde dazu unter dem Titel 'Meer erleben ? Mehr verstehen' eine Zielkonzeption und ein regionales Entwicklungskonzept für die Region Großes Meer entwickelt, das Schritt für Schritt umgesetzt wird (siehe auch http://www.projekt-grosses-meer.de/ ).
Zentrum der Erholungsnutzung in der Gemeinde Südbrookmerland ist das Große Meer. Dort befinden sich die Mehrzahl der Beherbergungseinrichtungen und wesentliche Freizeitangebote mit den Schwerpunkten Wassersport und Radfahren (vgl. www.grossesmeer.de/). In Bezug auf die Förderung der ruhigen naturverträglichen Freizeitnutzung kommt dabei gerade auch dem Naturerlebnis mit dem Fahrrad eine hohe Bedeutung zu. Darum wurde zunächst mit dem 3-Meere-Weg ein Rundweg um das Große Meer geschaffen.

Die kürzlich eingerichtete Route 900 (vgl. auch www.ostfriesland.de/mein-ostfriesland/ferienorte/suedbrookmerland/ route-900.html) verbindet inzwischen außerdem die Erholungseinrichtungen am Großen Meer mit weiteren Angeboten in den Ortsteilen nordöstlich davon wie beispielsweise der Windmühle und dem NABU-Schulbauernhof in Wiegboldsbur, dem Moormuseum in Moordorf und dem Dörpmuseum in Münkeboe. In diesem Bereich der Gemeinde befinden sich auch ein Großteil der Versorgungseinrichtungen wie Geschäfte, Apotheken oder Gaststätten. Außerdem gibt es dort wietere Unterkünfte für Gäste, die wiederum ebenfalls die Freizeitangebote am Großen Meer nutzen. Diese Rad- und Wegeverbindungen würden massiv durch eine Höchstleitungstrasse zerschnitten und beeinträchtigt.

Von Bedeutung sind auch weitere Themen-Radwege im Gebiet, wie die Friesenroute 'Rad up Pad' oder die 'Tour Natur' des NABU sowie die Radwege-Verbindungen über Wiegboldsbur und Theene nach Moordorf, Victorbur, Münkeboe und Engerhafe oder durch die Barsteder Meeden Richtung Aurich, die sowohl von den Bewohnern wie den Gästen am Großen Meer genutzt werden.

Die am Großen Meer gesammelte Erfahrung zeigt, dass die Landschaftswahrnehmung im Zusammenhang mit der Förderung des Naturverständnisses, der Akzeptanz der Schutzgebiete und des naturverträglichen Handelns von erheblicher Bedeutung ist. So wird immer wieder Unverständnis darüber geäußert, warum man sich als Besucher von Brut- und Rastvögeln fernhalten soll, wo es doch deutlich sichtbare ? aber außerhalb der Schutzgebiete stehende ? Windenergieanlagen gibt, die für Vögel als mindestens genauso problematisch wahrgenommen werden. Dies macht deutlich, wie sehr hohe und weithin sichtbare Anlagen, das Landschaftserleben auch über größere Entfernung und bis hinein in die Schutzgebiete beeinflussen. Dies gilt insbesondere bei Landschaftsräumen, die bisher nicht von Leitungstrassen durchschnitten sind.

Vor diesem Hintergrund sehen wir bei Realisierung einer Freileitung im Untersuchungskorri-dor 5 nicht nur einen erheblichen Konflikt mit der Wohnnutzung, sondern auch mit dem Landschaftsbild und ?erlebnis sowie der Funktion des betroffenen Raumes für die ruhige naturverträgliche landschaftsgebundene Erholung in der Gemeinde Südbrookmerland. Dieser könnte aus unserer Sicht nur durch eine Erdverkabelung umgangen werden.

Da die Raumwiderstandsanalyse bereits ergeben hat, dass sich keine der insgesamt neun entwickelten Untersuchungskorridorvarianten und der sechs Untervarianten als konfliktarm anbieten, sondern dass vielmehr auch die drei für die weitere Untersuchung im Raumordnungsverfahren ausgewählten 'konfliktärmeren' Varianten jeweils Konfliktschwerpunkte von besonderer Bedeutung aufweisen, ist das geplante Vorhaben für eine Lösung der Konflikte mittels Erdverkabelung prädestiniert.

Aus Sicht der Gemeinde Südbrookmerland ist der Hinweis, dass das Vorhaben nicht zu den vorgesehenen Pilotvorhaben gehört, kein hinreichender Grund, um auf eine ernsthafte Prüfung dieser sich aufdrängenden technischen Alternative zu verzichten. Sie sollte gleichrangig in die Untersuchung der Raumverträglichkeit und Umweltverträglichkeit einbezogen werden, da nur so eine umfassende Basis für eine nachvollziehbare Abwägung zwischen allen Vor- und Nachteilen geschaffen wird.